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Was unter unseren Feldern lebt

Bericht zu den eDNA-Bodenproben 2024

Mai 2026 · auf Basis der NatureMetrics-Auswertung PROJ05706, Probennahme Juli 2024


Ausgangslage

Im Juli 2024 wurden an acht Stellen auf den Feldern in Adlisberg und am Eichhof Bodenproben genommen und an NatureMetrics in England geschickt. Aus jeder Probe wurde die DNA aller darin lebenden Pilze, Bakterien und wirbellosen Bodentiere extrahiert und sequenziert.

Gefunden wurden über 1.000 verschiedene Arten oder Artgruppen (OTUs), 86 davon namentlich bestimmbar. Pro Probe: 17 bis 45 Tierarten, 112 bis 174 Pilzarten, 315 bis 389 Bakterienarten.

Im Folgenden sechs konkrete Befunde aus diesen Daten.


1 — Der Gülle-Fingerabdruck in ForsthausUnten

ForsthausUnten lag im Juli 2024 weitgehend nackt da. Der Vorbewirtschafter hatte kurz vor der Übergabe Gülle ausgebracht; die Kürbis-Klee-Kultur war gerade erst am Anlaufen, mit kaum Pflanzenbedeckung.

Zwei Pilze dominierten die Probe: Podospora appendiculata mit 3,69% aller Pilz-Reads (der höchste Anteil einer einzelnen Art an allen acht Standorten) und Keratinophyton wagneri mit 0,28%.

Podospora ist ein Dungspezialist — er zersetzt Tierkot. Keratinophyton zersetzt Keratin: Haare, Hornhaut, Federn, tierisches Hautmaterial. Beide Pilze wachsen dann besonders gut, wenn frische tierische Substanz im Boden landet. Gülle enthält genau das: Reste von Haar, Hautzellen, halbverdauter organischer Tiermasse. Die Pilzgemeinschaft war über ein Jahr nach der letzten Gülleausbringung noch dabei, dieses Erbe zu verarbeiten.

Nebenbei: Podospora-Pilze haben eine ungewöhnliche Verbreitungsstrategie — ihre Sporen werden von Pflanzenfressern (Kühen, Schafen, Pferden) gefressen, überleben die Verdauung und werden mit dem Dung wieder ausgeschieden. Sie sind für ihre Ausbreitung auf Tiere angewiesen. In einem Boden ohne tierische Inputs nimmt ihre Population mit der Zeit ab.


2 — Die Biologie unter der 5/5-Spatenprobe (Market Garden 70)

Market Garden 70 erreichte im Sommer 2024 bei der Spatenprobe 5/5 — perfekte Krümelstruktur, beste Aggregatstabilität. (Der Wert sank im Herbst 2024 auf 3 und liegt aktuell wieder bei 4+.)

Bodenaggregate werden auf vier Ebenen aufgebaut, jede von anderen Organismen. Die DNA-Daten zeigen, welche Organismen in Market Garden 70 präsent waren.

Ebene 1 — Mikroaggregate, gebaut von Bakterien. Aggregate unter 250 Mikrometer werden von Bakterien mit klebrigen Polysacchariden zusammengeklebt. In Market Garden 70 detektiert: Nakamurella flavida und Microlunatus panaciterrae (Polysaccharid-Akkumulierer), Sphingomonas (produziert Sphingane, besonders effektiv bei Tonpartikeln), Gemmatimonas (arbeitet auch in Trockenzeiten weiter). Dazu 89 OTUs filamentöser Actinobakterien — sie wachsen fadenförmig, wie ein feines Mycel durch den Boden, und nähen Partikel buchstäblich zusammen.

Ebene 2 — Makroaggregate, durch Pilzhyphen. Auf der Skala von 250 Mikrometern bis mehreren Millimetern (die sichtbare und fühlbare Krümelstruktur) übernehmen Pilzhyphen das Stützgerüst. Humicola udagawae (Cellulose-Zersetzer, an sieben von acht Standorten) und die ganze Klasse der Sordariomyceten tragen dazu bei.

Ebene 3 — Wurmkrümel. Durch den Darm von Regenwürmern und Enchytraeen gelaufenes Material kommt angereichert mit Mucus, Bakterien und verdauter organischer Substanz wieder heraus. Diese Wurmkrümel sind die stabilsten Aggregate im Boden. In Market Garden wurde Marionina argentea gefunden — eine Enchytraeen-Art, also ein kleiner weisser Bodenwurm. Mit 11,92% aller Tier-Reads war sie das stärkste Einzelartsignal im gesamten Datensatz.

Ebene 4 — Glomalin und verwandte Substanzen aus Mykorrhizapilzen. Arbuskuläre Mykorrhizapilze (AMF) tragen zu einer klebrigen, wasserabweisenden Schicht auf Hyphen und Bodenpartikeln bei, die Aggregate vor dem Auseinanderfallen schützt, wenn der Boden nass wird. Historisch wurde diese Schicht als "Glomalin" und reines AMF-Glykoprotein beschrieben. Neuere Forschung zeigt, dass das, was als Glomalin gemessen wird, eigentlich ein operativ definiertes Gemisch aus Bodenorganik ist — präziser bezeichnet als "Glomalin-related soil protein" (GRSP) —, das Zucker und Proteine enthält, aber auch andere Bestandteile, und nicht ausschliesslich aus AMF stammt. Der Beitrag zur Aggregatstabilität ist gut belegt (in einem gesunden Boden 20-30%), die genaue molekulare Identität und der eindeutige AMF-Ursprung sind differenzierter als ursprünglich angenommen.

In Market Garden 70 wurden keine AMF gefunden. Ebenen 1-3 waren voll vorhanden, Ebene 4 fehlte.

Nebenbei: Enchytraeen sind nur 1-3 Zentimeter lang und kaum sichtbar. In vielen mitteleuropäischen Wiesen- und Ackerböden verarbeiten sie pro Quadratmeter mehr organisches Material als Regenwürmer.


3 — Biologische Fusarium-Bekämpfung (Spannweid, Alter Obstgarten, Market Garden)

Fusarium ist eine der wirtschaftlich bedeutendsten pathogenen Pilzgattungen in der Landwirtschaft (Wurzel- und Halsfäule, Auskoblung bei Getreide, Mykotoxin-Bildung).

Clonostachys intermedia wurde an drei Standorten gefunden — ForsthausUnten, Spannweid Mix und Spannweid 14, am stärksten in Spannweid Mix mit 0,40% der Pilz-Reads. Clonostachys ist ein biologischer Fusarium-Bekämpfer mit mehreren Wirkmechanismen gleichzeitig:

Clonostachys benötigt für seine Etablierung viel und vielfältiges organisches Material, geringe Bodenstörung und keine Fungizide. In konventionell bewirtschafteten Böden mit regelmässiger Bodenbearbeitung und Spritzmitteln verschwindet er typischerweise. Auf den HofLabor-Flächen wurde er nicht ausgebracht — er hat sich von selbst eingestellt.

Trichoderma reesei (Alter Obstgarten und Market Garden) ist ein weiterer biologischer Pflanzenschutzpilz, bekannt für hohe Cellulose-Zersetzungskapazität und antagonistische Wirkung gegen andere Pilze und Insektenlarven. Auch dieser Pilz wurde nicht ausgebracht.


4 — Der einzige Mykorrhiza-Fund (Spannweid Mix)

Arbuskuläre Mykorrhizapilze (AMF) verlängern Pflanzenwurzeln über ihre Hyphen, holen Phosphor und Spurenelemente aus weitem Umkreis, und tragen zur Aggregatstabilität bei (siehe Befund 2).

In den acht Proben wurde genau eine AMF-Art gefunden — Claroideoglomus claroideum — und zwar ausschliesslich in Spannweid Mix.

Methodischer Hinweis: AMF werden vom Standard-ITS-Primer von NatureMetrics schlecht erfasst. Die tatsächliche AMF-Vielfalt in den Böden ist vermutlich höher als der detektierte Wert.

AMF sind sensitiv gegenüber Bodenstörung, Phosphor-Überschuss und dem Fehlen geeigneter Wirtspflanzen. Sie brauchen Jahre, um sich nach einer Störung wieder zu etablieren. Spannweid kombiniert mehrjährige störungsarme Bewirtschaftung mit dem Wechsel zwischen Lehm- und Torfzonen innerhalb des Feldes. In den anderen Felder wurden keine AMF detektiert.


5 — Diverse Räuber in Haus Hügel

In Haus Hügel wurden vier räuberische Tiere aus unterschiedlichen Ordnungen und auf unterschiedlichen Ebenen der Bodennahrungskette detektiert:

Veigaia nemorensis — räuberische Milbe (Mesostigmata). Frisst Nematoden, Springschwänze und kleine Bodentierchen. Sensibel gegenüber Störung, langsame Reproduktion.

Histiostoma feroniarum — Milbe (Sarcoptiformes), ausschliesslich in Haus Hügel gefunden, mit 5,32% aller Tier-Reads (das zweitstärkste Einzelartsignal im Datensatz). Bevorzugt organikreiche, nährstoffdichte Mikrohabitate.

Clarkus papillatus — räuberischer Nematode (Mononchidae). Frisst andere Nematoden, einschliesslich pflanzenparasitärer Arten. Mononchidae gelten als sensitiv gegenüber Bodenstörung.

Poecilus cupreus — Laufkäfer (Carabidae). Frisst Blattläuse, Schnecken und andere oberirdische Schädlinge. DNA-Nachweis wahrscheinlich von Larven (die im Boden leben) oder Adulttieren am Bodenboden.

Verteilung der vier Arten über die Standorte: Histiostoma feroniarum und Poecilus cupreus wurden ausschliesslich in Haus Hügel gefunden. Veigaia nemorensis zusätzlich am Market Garden, Clarkus papillatus zusätzlich im Alter Obstgarten. Die Kombination aus allen vier Arten — Räuber auf mehreren Trophieebenen vom Mikrofauna-Jäger bis zum Schädlingsbekämpfer der oberirdischen Welt — kam an keinem anderen Standort vor.

Räuber sind in Bodenökosystemen ein Indikator für relative Reife und geringe Störung. Sie reproduzieren sich langsam, brauchen über mehrere Trophieebenen genug Beute, und gehen bei Bodenbearbeitung oder Pestizideinsatz zuerst verloren. Ihre Präsenz und Vielfalt in Haus Hügel deutet auf ein vergleichsweise weit entwickeltes Bodensystem.


6 — Spezialisierte Gemeinschaft in der Brennnessel-Stelle (Spannweid 14)

Spannweid 14 war 2024 ein Streifen mit absichtlich angelegter Brennnessel-Kultur (Urtica dioica), gepflanzt im Herbst 2022.

Vergleich mit der Spannweid-Mischprobe aus dem gleichen Feld:

Die Brennnessel-Kultur erzeugte keine reichere, sondern eine ökologisch eigenständige Gemeinschaft. Brennnessel-Streu hat einen hohen Stickstoffanteil; ihre Wurzelausscheidungen selektieren eine spezialisierte Boden-Mikrofauna. Dies ist ein anderer biologischer Modus als die Mischflächen — weniger Vielfalt, aber schärfer definierte Spezialisierung.

Nebenbei: Die Brennnesseln sind inzwischen weitergewandert und am Market Garden aufgetaucht. TBD, ob wir den Brennnesselstreifen 2026 nochmal beproben.


Was die DNA-Methode zur Spatenprobe hinzufügt

Was die Spatenprobe abdeckt: Aggregatstabilität, Wurzeldurchdringung, Krümelstruktur, Verdichtung, sichtbare Regenwurmgänge — also das beobachtbare Ergebnis der Bodenbiologie.

Was die DNA zusätzlich liefert:

Zur Validierung der Methodik: Lutz et al. (Nature Microbiology, 2023) analysierten das Bodenmikrobiom von 54 Schweizer Maisfeldern. 13 Schlüsselpilze erklären 66% der Variation im Pflanzenwachstum zwischen den Feldern; das volle Mikrobiom-Modell erreicht 86% Vorhersagegenauigkeit. Pathogene Pilze sind der stärkste einzelne Vorhersagefaktor, wichtiger als der gemessene Stickstoffgehalt des Bodens.


Grenzen der Methode

Quantifizierung. DNA-Reads zeigen, welche Organismen vorhanden sind, aber nicht zuverlässig, wie viele von jedem. (Klassische Mikroskopie kann das, ist aber zeitaufwändig.)

AMF. Standard-ITS-Primer erfassen Mykorrhizapilze schlecht. Eine vollständige AMF-Erhebung erfordert spezielle SSU-Sequenzierung. NatureMetrics bietet das aktuell nicht an.

Regenwurmarten. Der verwendete 18S-Marker löst Regenwurmarten nicht auf. Lumbricidae-DNA wird gefunden, aber nicht nach Arten differenziert (z.B. Lumbricus terrestris vs. Aporrectodea caliginosa). Für detaillierte Regenwurm-Diagnostik bleibt der Spaten das primäre Werkzeug.

Funktionelle Aktivität. DNA zeigt Anwesenheit, nicht Aktivität. Eine schlafende und eine aktive Bakterienart sind in der DNA gleich.

Vergleichsdaten. Es gibt aktuell wenige standardisierte Referenzwerte für Schweizer Ackerböden. Aus den eigenen Daten lassen sich relative Aussagen treffen (Standort A vielfältiger als Standort B), aber keine absoluten (objektiv "gut" oder "schlecht"). NatureMetrics arbeitet an einem Bewertungssystem. Die EU-Studie Köninger et al. 2026 (373 Standorte, 26 Länder) könnte als externe Referenz dienen.

N=1. Pro Standort wurde eine Probe genommen. Unterschiede können beschrieben, aber nicht statistisch getestet werden. Für inferentielle Aussagen bräuchte es Wiederholungen pro Standort.


Implikationen und nächste Schritte

Drei Fragen aus den 2024-Daten, die wir 2026 prüfen können:

Zwischenfrüchte als schnelle Intervention. Alter Obstgarten — 10 Monate unter Bewirtschaftung — wies die gleiche bakterielle Funktionsvielfalt auf wie Market Garden (mehrjährig bewirtschaftet). Der einzige relevante Unterschied zwischen Alter Obstgarten und vergleichbar neu bewirtschafteten Flächen ist die Zwischenfrucht-Mischung. Wiederbeprobung 2026 testet, ob sich dieser Effekt verfestigt.

Pflanzenparasitäre Nematoden in ForsthausOben. Pratylenchus neglectus und Helicotylenchus minzi wurden in der vierjährigen Kunstwiese gefunden, auf niedrigem Niveau. Nach Konversion zu Kürbis (2025) und Wintergetreide (2026) ist eine Verschiebung in beide Richtungen möglich.

AMF-Status. Eine dedizierte AMF-Sequenzierung (SSU-Primer) wäre der nächste methodische Schritt, sinnvoll voraussichtlich erst nach weiteren 1-2 Jahren Bewirtschaftung der einzelnen Flächen.

Eine Wiederbeprobung 2026 ist offeriert. Aktuelle Planung: 9 Proben, dabei

Kosten gemäss aktueller NatureMetrics-Offerte: ca. €6.250.



Anhang — Antworten auf die ursprünglichen Forschungsfragen

Bei der Planung der 2024-Beprobung wurden fünf konkrete Forschungsfragen formuliert. Im Folgenden die Antworten aus den Daten.

Methodischer Hinweis

Das 2024-Design hat eine Probe pro Standort (N=1), keine Wiederholungen innerhalb der Standorte. Statistische "Signifikanz" im Sinne der Hypothesentests (p-Werte, Konfidenzintervalle) ist ohne Wiederholungen nicht berechenbar. Wo dieser Anhang "deutlich verschieden" oder "vergleichbar" schreibt, meint das beschreibende Interpretation, gestützt auf grosse Unterschiede relativ zur Standort-Streuung und auf namentliche Artbefunde — nicht inferentielle Statistik. Wie das in zukünftigen Beprobungen verbessert werden kann, ist am Ende des Anhangs ausgeführt.


Frage 1 — Market Garden Mix vs. Haus Hügel vs. Spannweid Mix

Gibt es einen signifikanten Unterschied zwischen den drei Feldern in Eichhof, oder ist die Bodendiversität über die ganze Farm vergleichbar?

Antwort: Die drei Eichhof-Felder sind biologisch deutlich verschieden, in strukturierter und interpretierbarer Weise.

Market Garden Mix Haus Hügel Spannweid Mix
Pilz-OTUs 174 (höchste) 136 169
Funktionelle Pilzdiversität 1,70 1,78 2,08 (höchste)
Evolutionäre Pilzdiversität 33,19 29,15 34,67 (höchste)
Bakterien-OTUs 382 (höchste) 315 (niedrigste von E) 323
Funktionelle Bakteriendiversität 3,27 2,71 2,80
Tier-OTUs 45 (höchste) 34 22
AMF gefunden Nein Nein Ja (Claroideoglomus claroideum)
Charakteristik Höchste Diversität in allen drei Reichen; zwei Nitrospira-Arten; Marionina argentea dominant (11,92% der Tier-Reads) Räuberreich (Veigaia nemorensis, Histiostoma feroniarum 5,32%, Poecilus cupreus) Höchste funktionelle und evolutionäre Pilzdiversität; einziger AMF-Fund; stärkstes Clonostachys-Signal; Bioindikator Oppiella nova

Jedes der drei Eichhof-Felder hat ein erkennbares biologisches Profil. Market Garden Mix ist der Allrounder — höchste Diversität in allen drei Reichen und eine vollständige Bodennahrungskette. Haus Hügel hat die stärkste Räuberpräsenz und eine besondere Tiergemeinschaft, geprägt durch die Mischung aus Torf- und Lehmboden. Spannweid Mix ist der Pilz-Champion, der einzige Standort mit nachgewiesenen arbuskulären Mykorrhizapilzen.

Wichtige methodische Einschränkung beim Spannweid-Ergebnis: das Feld enthält sowohl Torf- als auch Lehmzonen, und die Mischprobe erfasst beide Bodentypen gleichzeitig. Das erklärt teilweise die erhöhten Diversitätswerte — zwei ökologisch unterschiedliche Pilzgemeinschaften werden zusammen gemessen, was ein reichhaltigeres Gesamtbild liefert als jeder Bodentyp einzeln. Die Diversität ist real vorhanden, aber zum Teil strukturell statt funktional. Diese Einschränkung sollte bei externer Kommunikation des Spannweid-Ergebnisses mit bedacht werden.

Die Unterschiede zwischen den Eichhof-Feldern spiegeln vermutlich eine Kombination aus Bodentyp (reiner Lehm in Market Garden; Torf/Lehm-Mischung in Haus Hügel und Spannweid), Bewirtschaftungsintensität (am intensivsten in Market Garden) und Dauer der aktuellen Bewirtschaftung wider.


Frage 2 — Market Garden Mix vs. Market Garden 70

Sehen wir ein signifikant besseres Ergebnis in einem Streifen mit sehr guter Bodenqualität (Spatenprobe 5/5) im Vergleich zum Rest des Feldes?

Antwort: Nein — die Feldmischprobe zeigt mehr Gesamtdiversität als der einzelne Streifen, aber auf eine Weise, die das Spatenprobe-Ergebnis stützt statt untergräbt.

Market Garden Mix Market Garden 70 (5/5 Spatenprobe)
Pilz-OTUs 174 152
Funktionelle Pilzdiversität 1,70 1,80
Bakterien-OTUs 382 377 (fast gleich)
Evolutionäre Bakteriendiversität 20,30 20,44 (leicht höher)
Funktionelle Bakteriendiversität 3,27 3,08
Tier-OTUs 45 29
Namentliche Arten (insgesamt) 41 26

Der 5/5-Spatenprobe-Streifen ist bakteriell mit der Mischprobe gleichauf — gleiche Diversität, leicht höhere evolutionäre Diversität — aber niedriger auf der Ebene der Eukaryonten (Pilze und insbesondere Tiere). Die wahrscheinliche Ursache ist räumliche Probenahme, nicht ökologische Unterlegenheit: eine Einzelstreifenprobe erfasst ein engeres Gebiet und ein engeres Pflanzenspektrum als eine quer durchs Feld gezogene Mischprobe. Bakterien sind so häufig, dass auch ein kleines Bodenvolumen den Grossteil der Gemeinschaft erfasst; Pilze und Tiere sind ungleichmässiger verteilt und werden vom breiteren Probenetz besser eingefangen.

Der eigentlich interessante Befund aus diesem Vergleich ist anders gelagert als die Ursprungsfrage suggerierte: die 5/5-Spatenprobe ist auf bakterieller Strukturebene biologisch validiert. Die Organismen, die Bodenaggregate aufbauen — filamentöse Actinobakterien, Polysaccharid-Akkumulierer wie Nakamurella flavida und Microlunatus panaciterrae, die EPS-produzierende Sphingomonas, die vollständige Nitrifikationskette — sind im 5/5-Streifen reichlich vertreten. Die sichtbare physikalische Struktur entspricht genau jener bakteriellen Maschinerie, die diese Struktur baut.

Die methodische Konsequenz: eine Einzelstreifenprobe wird bei der Eukaryonten-Diversität eine Feld-Mischprobe nicht erreichen, einfach wegen der unterschiedlichen räumlichen Reichweite. Zukünftige Vergleiche zwischen Streifen- und Feldproben müssen das berücksichtigen.


Frage 3 — Spannweid Mix vs. Spannweid 14

Spannweid 14 ist ein Streifen mit minimalen Interventionen in den letzten Jahren — sehen wir einen signifikanten Unterschied im Vergleich zum Rest des Feldes?

Antwort: Ja — klar, und in ökologisch interpretierbarer Weise. Der minimal-bewirtschaftete Streifen zeigt eine andere biologische Gemeinschaft, nicht eine ärmere.

Spannweid Mix Spannweid 14 (Brennnessel, minimale Interventionen)
Pilz-OTUs 169 130
Funktionelle Pilzdiversität 2,08 1,80
Bakterien-OTUs 323 328 (fast gleich)
Bakterielle Acidobakterien 40 41 (höchste der E-Standorte)
Tier-OTUs 22 22 (gleich)
Bemerkenswerte Arten AMF (Claroideoglomus claroideum), Mortierella alpina, Clonostachys intermedia, Tyrannicordyceps fratricida Rhizophlyctis rosea, ausgeprägte Acidobakterien-Dominanz, keine AMF
OTUs nur hier gefunden 31 Pilz-OTUs nur in Spannweid Mix 20 OTUs nur in Spannweid 14

Spannweid 14 ist nicht weniger divers als die Mischprobe — Bakterien und Tiere sind praktisch gleichauf — sondern trägt eine biologisch eigenständige Signatur. 20 OTUs sind nur in diesem Streifen zu finden. Die Bakteriengemeinschaft lehnt sich stärker zu Acidobakterien, was zur saureren, organikreicheren Umgebung passt, die Brennnesselstreu und Wurzelausscheidungen schaffen. Die Pilzgemeinschaft ist in ihrer funktionellen Breite enger (1,80 vs. 2,08), ebenfalls konsistent mit einer durch eine fast-Monokultur selektierten Spezialistengemeinschaft.

Dies ist einer der ökologisch interessantesten Befunde im Datensatz. Der minimal-bewirtschaftete Streifen zeigt: eine einzelne dominante Pflanzenart plus geringe Störung erzeugen eine spezialisierte Bodengemeinschaft — keine reichere und keine ärmere. Das ist eine differenziertere Aussage als "weniger Eingriff = mehr Biodiversität" und beantwortet die ursprüngliche Frage präzise.

Anschlussfrage: Die Brennnesseln sind inzwischen weitergewandert. Eine Wiederbeprobung derselben Stelle, jetzt ohne Brennnesseln, würde zeigen, ob die spezifische Biologie von der Pflanze (Wurzelausscheidungen, Streuchemie) oder vom Untergrund getrieben war — ein natürliches Experiment, das mit einer einzelnen Zusatzprobe verfügbar wäre.


Frage 4 — ForsthausUnten vs. ForsthausOben vs. Alter Obstgarten

Gibt es einen signifikanten Unterschied zwischen den drei Feldern in Adlisberg, oder ist die Bodendiversität über die ganze Farm vergleichbar? Und wie werden sich die Ergebnisse in den nächsten Jahren entwickeln?

Antwort: Die drei Adlisberg-Felder sind auffallend verschieden — und die Unterschiede entsprechen fast perfekt der Bewirtschaftungshistorie.

ForsthausUnten (nackt, Gülle-Erbe) ForsthausOben (4-jährige Kunstwiese) Alter Obstgarten (Zwischenfrucht seit Herbst 2023)
Pilz-OTUs 141 132 112 (niedrigste aller 8 Standorte)
Evolutionäre Pilzdiversität 30,63 29,09 24,55 (niedrigste)
Bakterien-OTUs 319 333 359 (höchste der A-Standorte)
Funktionelle Bakteriendiversität 2,75 2,66 3,27 (gleich Market Garden Mix)
Standort-einzigartige Bakterien-OTUs 47 (höchste aller Standorte)
Tier-OTUs 17 (niedrigste aller 8) 30 24
Pflanzenparasitäre Nematoden Keine namentlich Pratylenchus neglectus, Helicotylenchus minzi Keine namentlich
Charakteristik Podospora appendiculata (3,69%), Keratinophyton wagneri (0,28%) — Gülle-Fingerabdruck Vielfältigste Nematodengemeinschaft (18 OTUs), reflektiert etablierte Graswurzeln Höchste funktionelle Bakteriendiversität, gleichauf mit dem am längsten bewirtschafteten E-Standort

Die drei Adlisberg-Felder sind biologisch nicht vergleichbar. Jedes ist in einem anderen Zustand, und jeder Zustand ist aus den Daten ablesbar.

ForsthausUnten ist im Übergang. Die Pilzgemeinschaft wird noch immer von Signalen der Vorbewirtschaftung dominiert — Podospora (Dungzersetzer) und Keratinophyton (Keratinzersetzer) zusammen bilden den Gülle-Fingerabdruck. Die Tiergemeinschaft ist die ärmste im gesamten Datensatz (17 OTUs), ohne nachgewiesene Nematoden-Räuber und nur einer namentlich identifizierten Art. Das ist kein Versagen: das Feld hatte zum Zeitpunkt der Probenahme praktisch keine etablierten Pflanzenwurzeln, und die Bodennahrungskette hatte nichts zu fressen.

ForsthausOben ist das Gegenteil — eine vierjährige Kunstwiese mit dichtem, etabliertem Wurzelnetzwerk. Die Nematodengemeinschaft ist die vielfältigste aller Standorte (18 OTUs), einschliesslich pflanzenparasitärer Arten (Pratylenchus neglectus, Helicotylenchus minzi) und einer Bandbreite bakterienfressender Spezies. Die Pflanzenparasiten auf niedrigem Niveau sind typische Begleiter etablierter Grasnarben; sie sind beobachtungswürdig, aktuell aber kein Problem.

Alter Obstgarten ist das überraschendste Ergebnis des gesamten 2024-Datensatzes. Trotz der kurzen Bewirtschaftungsdauer — mit nur etwa 10 Monaten Zwischenfrucht zum Zeitpunkt der Probenahme — hat es die höchste funktionelle Bakteriendiversität (3,27 — gleichauf mit Market Garden Mix, dem am längsten bewirtschafteten Standort) und die meisten standort-einzigartigen Bakterien-OTUs aller acht Standorte (47). Die plausibelste ökologische Erklärung: die im Herbst 2023 etablierte Zwischenfrucht-Mischung hat eine schnelle, starke Wirkung auf die bakterielle Diversität entfaltet — deutlich rascher als Pilze oder Tiere reagieren. Wenn eine Wiederbeprobung das bestätigt, ist es ein direkt umsetzbarer Befund: Zwischenfrüchte sind ein wirkungsvolles Werkzeug, um in neu bewirtschafteten Böden bakterielle Diversität schnell anzukurbeln.

Erwartungen zur Entwicklung bei einer Wiederbeprobung:

ForsthausUnten wird der dramatischste Standort sein. Der Gülle-Fingerabdruck (Podospora, Keratinophyton) sollte verblassen, sobald Pflanzenbiologie eintrifft. Die ärmliche Tiergemeinschaft sollte sich ausdehnen, sobald etablierte Wurzeln eine Nahrungsbasis bieten. Das ist der klarste "Vorher"-Datenpunkt im Datensatz.

ForsthausOben war 2024 als stabile vierjährige Grasnarbe beprobt; sie ist seitdem keine Grasnarbe mehr — die Wiese wurde 2025 zu Kürbis konvertiert und steht aktuell unter Wintergetreide. Eine Wiederbeprobung testet nicht mehr "ist die Kunstwiese stabil?", sondern "was passiert mit einer reifen, nematodenreichen Gras-Leguminosen-Bodengemeinschaft 1,5 Jahre nach Zerstörung der Grasnarbe und Umwandlung zu Einjahreskulturen?". Beide möglichen Ergebnisse sind informativ: wenn die Nematodengemeinschaft zusammengebrochen ist, dokumentiert das die biologischen Kosten der Konversion; wenn sie überlebt hat, spricht das für die Resilienz etablierter Gemeinschaften.

Alter Obstgarten ist auf einer kontinuierlicheren Bahn. Die Zwischenfrucht wurde durch eine vielfältige Gemüse- und Blumenfolge abgelöst. Eine Wiederbeprobung testet, ob der bakterielle Startschuss sich verfestigt und ob die Pilzgemeinschaft mit dem bakteriellen Niveau Schritt hält.


Frage 5 — Eichhof vs. Adlisberg

Wie unterschiedlich sind die Ergebnisse an den beiden Standorten?

Antwort: In den Mittelwerten verschieden, aber die Streuung innerhalb jedes Standorts ist grösser als die Differenz zwischen den Standorten. Die Bewirtschaftungsdauer erklärt mehr Variation als der Standort.

Adlisberg-Durchschnitt (3 Standorte) Eichhof-Durchschnitt (5 Standorte)
Pilz-OTUs 128 152
Bakterien-OTUs 337 350
Tier-OTUs 24 32

Eichhof übertrifft Adlisberg im Durchschnitt aller drei Reiche, aber nicht dramatisch — und die Streuung innerhalb jedes Standorts ist grösser als die Differenz zwischen ihnen. Alter Obstgarten erreicht Market Garden Mix bei der funktionellen Bakteriendiversität (jeweils 3,27). Haus Hügel hat niedrigere Bakteriendiversität als ForsthausOben. ForsthausUnten hat vergleichbare Pilzdiversität wie mehrere Eichhof-Standorte, trotz kürzester Bewirtschaftung.

Die sauberste Interpretation: das dominante Signal in den 2024-Daten ist "Jahre unter inputfreier Bewirtschaftung", nicht "welche Farm". Bodentyp und Ausgangsbedingung sind zweitrangig.

Das hat Bedeutung für den HofLabor-Anspruch. Wäre der Standort der Haupttreiber, wäre der regenerative Ansatz von seiner geografischen Anwendung abhängig. Da die Bewirtschaftungsdauer der Haupttreiber ist, ist die Praxis der Hebel — und beide Farmen sind auf derselben Bahn, nur an unterschiedlichen Punkten.


Übergreifende Erkenntnisse

Bewirtschaftungsdauer ist das dominante biologische Signal. Über alle fünf Vergleiche hinweg ist die Variable, die Unterschiede am konsistentesten erklärt, die Dauer der aktuellen Bewirtschaftung. Market Garden Mix (am längsten) steht in fast jeder Diversitätsmetrik oben. ForsthausUnten (am neuesten, mit Gülle-Erbe) steht bei den meisten unten. Standorte dazwischen ordnen sich nach ihrer Bewirtschaftungshistorie.

Zwischenfrüchte scheinen eine hochwirksame frühe Intervention zu sein. Dass Alter Obstgarten Market Garden Mix bei der funktionellen Bakteriendiversität erreicht — trotz 10 Monaten vs. mehreren Jahren Bewirtschaftung — ist der bemerkenswerteste Einzelbefund im Datensatz. Wenn das reproduzierbar ist, identifiziert es Zwischenfrüchte als direkt umsetzbaren Hebel, um die frühe biologische Erholung neuer Flächen zu beschleunigen.

Einzelstreifen- und Feld-Mischproben sind nicht austauschbar. Sowohl der Market Garden 70 / Market Garden Mix-Vergleich als auch der Spannweid 14 / Spannweid Mix-Vergleich zeigen dasselbe Muster: bakterielle Signale sind robust über räumliche Skalen, aber Pilz- und Tiersignale hängen von der räumlichen Breite der Probe ab. Das hat direkte Konsequenzen für die Interpretation zukünftiger Streifenproben.

Der Gülle-Fingerabdruck ist über ein Jahr nach Übergabe noch biologisch sichtbar. Die PodosporaKeratinophyton-Signatur in ForsthausUnten ist ein Lehrbuchbeispiel eines Übergangs-Fingerabdrucks: die Vorbewirtschaftung bleibt in der Pilzgemeinschaft mindestens ein Jahr lang ablesbar. Das ist zugleich eine Warnung (Legacy-Effekte persistieren) und eine Chance (Übergänge sind messbar).

Die pflanzenparasitäre Nematodengemeinschaft in ForsthausOben ist beobachtungswürdig. Pratylenchus neglectus und Helicotylenchus minzi auf niedrigem Niveau in einer Kunstwiese sind normal. Nach der Konversion zu Kürbis 2025 und aktuellem Wintergetreide könnten sich diese Populationen verschoben haben — entweder zusammengebrochen (keine Graswirte mehr) oder angestiegen (keine mehrjährige Konkurrenz mehr). Beide Ergebnisse wären informativ.


Konsequenzen für die zukünftige Beprobung

Die N=1-Einschränkung ist die grösste Begrenzung dessen, was die 2024-Daten leisten können. Um von beschreibender zu inferentieller Aussage zu kommen — also statistisch signifikante Unterschiede behaupten zu können — braucht ein zukünftiges Design Wiederholungen innerhalb der Standorte. Zwei praktische Wege: (1) 2-3 Teilproben pro Standort als getrennte Wiederholungen analysieren, oder (2) mehrere Teilproben in eine Mischprobe pro Standort poolen, was die Einzelproben-Struktur beibehält, aber die Innen-Standort-Streuung reduziert.

Zweitens: der Mix-vs-Streifen-Befund (Fragen 2 und 3) bedeutet, dass Streifen-Beprobung ausgebaut werden sollte, sobald Information auf Streifen-Ebene für den HofLabor-Anspruch wichtig wird (was bei über 1.000 Streifen schnell der Fall ist). Streifenproben sind nicht direkt mit Feld-Mischproben auf Eukaryonten-Reichtum vergleichbar — das muss bei der Auswertung berücksichtigt werden.

Drittens: exakte 2024-Probenahmestellen sollten vor jeder Wiederholungs-Beprobung bestätigt werden, insbesondere für die Eichhof-Mischproben. Ohne diese Information ist die Vergleichbarkeit einer 2026-Probe mit der 2024-Baseline nur teilweise gegeben.


Dieser Bericht basiert auf den Rohdaten der NatureMetrics-Probenauswertung PROJ05706 von Juli 2024. Eine vollständige technische Analyse (auf Englisch) findet sich in eDNA_Soil_Biodiversity_Report_2024.md.